Archiv 2006

Exkursion nach Dessau, Besichtigung Bauhaus, Meisterhäuser und Umweltbundesamt

Diese Exkursion führte uns am 01.07.2006 in die Stadt Dessau, wo Gebäude des letzten und dieses Jahrhunderts sowohl unter architektonischen als auch unter ingenieurtechnischen Gesichtspunkten unter fachlicher Führung besichtigt wurden.Das Programm begann mit der Besichtigung des Bauhaus-Gebäudes. Durch eine engagierte Führerin der Stiftung Bauhaus erfuhren wir viel über seine Entstehung, über verlorengegangene Blickbezüge zu Umgebung und Stadt, über die nicht endende Geschichte der Sanierung und Rekonstruktion, die ursprüngliche Benutzung von Saal und Kantine, die Möblierung, Beleuchtung und die technische Ausstattung gemäß den damals zur Verfügung stehenden Mitteln, und über alles, das wir nachfragten.
Anschließend wurden bei idealem Wetter die Meisterhäuser besichtigt. Hier erfuhren wir auch einiges über den Alltag der Künstler, die nicht immer ganz glücklich mit ihren „Architekten-Häusern“ waren, und über die Farbgebung der Räume, welche sie teils mehrmals eigenmächtig gewechselt haben.
Unser Vorurteil, die Freiflächen im Waldgrundstück drum herum seien, wie bei anderen Bauhaus-Bauten auch, nicht bewußt gestaltet gewesen, wurde widersprochen.
In eine ganz andere Welt tauchten wir dann nach der Mittagspause unter kompetenter Führung von „reisewerk.de“ ein: Sie umfaßt die Zeit weit vor dem Bauhaus und etwa ebenso weit danach.
Das Umwelt-Bundesamt recycelt eine Industriebrache im Dessauer Gasviertel, dem Viertel eines Gaswerks und von Produktionsstätten zur Herstellung von Anlagen zur Gaserzeugung, aus der auch das Unternehmen von Hugo Junkers hervorging, der dann das Bauhaus zeitweise förderte.
Der geschwungen geformte Neubau nimmt rundum Bezug zur Umgebung: Die bunten Glasplatten zwischen den Fenstern sind beispielsweise rötlich zu den verbliebenen und sanierten Bauten des Gasviertels hin, zu den Grünflächen aber grünlich hinterlegt.
Der mit teils photovoltaisch bestücktem Glas überdachte Raum des Hofs, der vom Bauwerk fast ganz ummantelt ist, der für den Winter die Gebäudeoberfläche verringert, und der sich am Eingang in einer expressiv gefalteten Glaswand optisch öffnet, ist integraler Bestandteil des Gebäudeklima-Konzeptes. Zugleich ist er eine abwechslungsreiche, bis hin zum Blinden-Leitsystem liebevoll gestaltete Ruhe- und Erschließungszone.

Die Lüftungsbauwerke für die von außen in den Hof nachströmende Luft zur Kühlung im Sommer sind als Skulptur im Außenraum gestaltet. Die Fassade besteht aus ökologischen Materialien. Die Brüstungsbänder sind mit Holz verkleidet.
Dieser Bau der Architekten Sauerbruch & Hutton verbindet Ästhetik mit einem hohen ökologischen Anspruch. Wie das Bauhaus nutzt er die technischen Mittel und neuesten Erkenntnisse seiner Zeit.

 Bild links: Modell des Bauhauses

  Bild unten links: Glasfassade

  Bild unten rechts: Atelieratmosphäre

 Bild links außen: 
  Interessante
  Fensterdetails

  Bild links:
  Die berühmte
  Bauhaus-Treppe

Meisterhäuser

in idyllischer Lage

Anschluss an die Tradiition

Fachkundige Erläuterungen vor den Meisterhäusern

Umweltbundesamt
Wir an einer Lüftungs-Skulptur

Umweltbundesamt
Innenhof-Abschluß, gezackt aus Glas

Umweltbundesamt
Der Weg im Innenhof

Überlagerungen und Verschneidungen

 Bild links außen:
  ökologische Fassade

  Bild links:
  Durchgang im
  Innenhof

 

 

 

Haydnstraße in Leipzig

In einem bis vor kurzem noch durch Kriegszerstörung freien quadratischen Straßengeviert in der Haydnstraße steht, bislang einsam und unvermittelt, ein viergeschossiges, in etwa würfelförmiges Haus, das unsere Neugier geweckt hatte. Herr Thomas vom Stadtplanungsamt zeigte uns auf dem zugehörigen Bebauungsplan, daß dies der Anfang einer Neubebauung mit direkt an den Straßen stehenden Einzelgebäuden und einem gemeinsamen Grünbereich in der Mitte ist. Besonders am Konzept des Hauses selbst ist, daß es aus drei schmalen hohen Reihenhäusern besteht.
Das Erdgeschoß ist an der Straße frei – als Eingangszone und Carport. Dazu bedurfte es zur Genehmigungsfähigkeit einer offiziellen Befreiung. Der 5m tiefe Überhang der Obergeschosse belastet wegen seiner Exzentrizität so stark den Baugrund, daß eine als Überraschung im Erdreich auftauchende, hierfür zu schwache Stahlbeton-Bodenplatte des Vorkriegsbaus nicht wiederverwandt werden konnte.
Solche Probleme, aber auch die vielen positiven Seiten des Planungs- und Bauprozesses erklärten uns die Architekten, Frau König und Herr Wanderer selbst - zunächst von der Wiese seitlich und hinter dem Haus aus, die von Hundebesitzern durchquert wird, welche keinen Hehl daraus machen, keine Freunde neuen Bauens zu sein.
Dem Wohnraum im der ersten Etage ist jeweils an der Gartenseite ein großer Balkon vorgelagert, der gegenüber dem Erdgeschoß vorspringt, sich teilweise aber auch in den Baukörper einschneidet.
Das Haus wird mit Erdwärme geheizt. Leerrohre für Fotovoltaik auf dem Dach sind schon vorhanden. In den zwei Reihenhäusern, wo die dritte Etage zwar rundherum seitlich gro0enteils schon gefaßt ist, aber noch nicht überdeckt und ausgebaut ist, sind schon die Ankerplatten für weitere Stufen vorhanden. Der Boden dort hat ein Knock-Out-Panel für das Treppenloch. So sind die Häuser für die Anforderungen der Zukunft gerüstet.
Einer der zufriedenen Bauherren, ein Mathematik-Professor ließ uns sein Haus durchgängig besichtigen, über die Treppe aus einzeln von der Wand angeschweißt auskragenden, mit Holz verkleideten Stahlstufen bis hinauf in die dritte Etage mit kleinem Dach-Patio. Daß das einzelne Reihenhaus so schmal ist, fällt wegen der vielen Durch- und Ausblicke nicht auf.
Vom Sichtmauerwerk außen - aus Kostengründen reduziert zu aus Vollziegeln mit lebhafter dunkler, unterschiedlich reflektierender Oberfläche geschnittenen Riemchen und Eck-Riemchen - über die aus Horizontallamellen bestehenden Schiebeläden und deren seitliche Taschen, die später durch Sonnenkollektoren ersetzt werden können, bis hin zu den Schattenfugen um die Türzargen herum und schließlich den eingebauten Möbeln oder einem Kamin ist alles überlegt und exakt detailliert, was wohl für die Handwerker wie für die Bauleitung immer wieder eine Herausforderung war.
Es bleibt zu hoffen, daß dieses Häuser-Haus für die übrige Bebauung des Straßengevierts Maßstäbe gesetzt hat.

Bild links: Architekten König + Wanderer, Herr Thomas, Stadtplanungsamt, D. Christiansen

Bild links unten: westliche Seite

Bild rechts unten: Stahlholztreppe, Stufen frei auskragend

Detail der östlichen Seite

Eine Hälfte der Gartenseite

Durchblick vom Dach-Patio aus

 

 

 

Besichtigung der Fußgängerrampe in der Bahnschneise Anger-Crottendorf

Im Anschluß an den Lene-Voigt-Park im Leipziger Osten wird gerade die Bahnschneise Anger-Crottendorf als Grünzug mit Fuß- und Radweg gestaltet. Der bestehende Geländeeinschnitt und die ihn überquerenden Brücken sollten durchgängig  erhalten bleiben. Gleichzeitig sollte aber die trennende Wirkung des Einschnitts überwunden werden. Dies geschah nun durch den Bau einer Verbindung zwischen einer dieser Brücken oben und dem neuen Weg unten in der Schneise, koordiniert durch die Objektplanung des Grünflächenamts Leipzig, und entworfen vom Ingenieurbüro MLW.
Es handelt sich dabei um ein mit einer Treppe kombiniertes Rampenbauwerk ganz aus Stahl, das statisch für sich steht, aber ohne Knick oder Versprung an die vorhandene Straßenbrücke „andockt“. Es hat weniger als die üblichen 6% Neigung, wodurch sich eine imposante Länge ergibt, die durch einen geschwungenen Verlauf, horizontale, auch ausgebuchtete Ruhezonen und einen gegenläufig abkürzenden  Treppen-Abzweig die nötige Abwechslung erhält. Mit dem kontinuierlichen Verlauf der Rampe kontrastiert eine unregelmäßige und teils schiefwinklige Anordnung vieler schlanker, sie tragender Rundstützen .
Das Geländer betont mit seinen dünnen horizontalen Vollprofil-Stäben und einem geschlossenen Blechband überall den Verlauf des Wegs. Alle Teile sind verzinkt und mit hellgrauer Glimmerfarbe gestrichen. Die Wegfläche aus glattem Stahlblech ist mit Grobsand in einem Kunstharz-Bett beschichtet worden. Die Treppe dagegen hat Gitterroste bei Tritt- wie Setzstufen. Die Ausführung ist leider nicht in allen, sehr sorgfältig konzipierten Details gelungen - insbesondere beim Anfang der Rampe unten aus Stahlbeton.
Das Bauwerk als Ganzes zeigt aber, daß auch heute die perfekte Erfüllung einer Funktion und die Einhaltung vieler Vorschriften oder Richtlinien ästhetische Qualitäten hervorbringen kann, welche das Umfeld deutlich aufwerten, ohne im Widerspruch zu ihm zu stehen.
Die ausführliche Besichtigung bei Sonnenschein unter Führung durch Frau Christiansen vom Grünflächenamt Leipzig und Herrn Dipl.-Ing. Maik Pärsch vom Büro MLW wurde schließlich jäh durch einen kräftigen Regenguß beendet.

Bild links: AIV Schriftführer, Koordinator und Projektleiter

Bild links unten: Schwung und Ruhe im Verlauf

Bild rechts unten: Treppe für Eilige

Schneise und Uni-Riese

Sicht von der Straßenseite

Auftritt der Treppe